EINBLICKE - CDU-Fraktion im Stadtrat

2. Ausgabe 2015

Zum 70. Jahrestag des 13. Februar 1945

Zwischen stillem Gedenken und friedlicher Versöhnung

Vor ein paar Wochen jährte sich der Dresdner Schicksalstag, der 13. Februar 1945, zum 70. Mal. Die Stadt hatte zu diesem „runden“ Datum angemessene Gedenkfeierlichkeiten organisiert, welche mit einem Gottesdienst in der Frauenkirche ihren friedlichen Abschluss fanden.

Der 13. Februar ist seit 70 Jahren einer der bedeutungsreichsten Tage für unsere wunderbare Stadt. Ein Tag des Leids, der Trauer, des Gedenkens und der Mahnung, gleichzeitig der Versöhnung und des Friedens. Für mich Zeit des Innehaltens und tiefer Demut. Welches Leid vor nun so langer Zeit in unsere Stadt getragen wurde, ist für mich als Nachgeborener kaum zu ermessen. Die schiere Anzahl der Toten lässt leicht vergessen, dass hinter jedem Einzelnen ein persönliches Schicksal steht. Darauf aufmerksam zu machen, ist mir vor dem Hintergrund der zunehmenden politischen Vereinnahmung dieses Tages ein ganz persönliches Anliegen.

Unbestritten; viele unserer Großeltern und Urgroßeltern haben schwere Schuld auf sich geladen - durch eigenes Tun oder durch Unterlassen. Es ist wichtig, sich dies immer wieder bewusst zu machen, aber zu wenig, in dieser Erkenntnis zu verharren. Vielmehr liegt es jetzt in unserer Verantwortung, an einer besseren Welt zu bauen.

Der 13. Februar erinnert immer wieder daran, dass im Namen und zur Erreichung des Guten auch schreckliche Verbrechen geschehen können. Aus Sicht eines Nachgeborenen fällt es mir nicht schwer, ein solches Urteil zu fällen. Es liegt aber im Wesen und in der Logik von Kriegen, dass im Moment der Entscheidung oft nicht klar erkennbar ist, was richtig und was angemessen ist. Jeder Krieg bringt Leid. So etwas wie die Zerstörung Dresdens, die in ihrer Maßlosigkeit nur mit der Maßlosigkeit des von Deutschland begonnenen Krieges erklärbar ist, darf sich nie wiederholen.

Gerade Extremisten versuchen immer wieder, die Deutungshoheit über historische Daten zu erlangen. Wenn Rechtsextreme vom „Bomben-Holocaust“ reden oder Linksextreme zu einem erneuten Bombenangriff auf die Zivilbevölkerung aufrufen, ist das zweifelsohne widerwärtig. Es darf aber nicht unser Maßstab sein, unser Handeln dauerhaft an den Extremen auszurichten.

Eines der stärksten Zeichen der Versöhnung, das diese Stadt in die Welt gesandt hat, war die Kranzniederlegung mit Vertretern der einstigen Alliierten am Mahnmal auf dem Heidefriedhof. Das gemeinsame Gedenken an alle Opfer dieses Krieges dokumentierte die Versöhnung zwischen den einstigen Kriegsgegnern. Dass dies nicht mehr stattfindet, um Extremisten kein Podium zu bieten, bedauere ich. Ich erkenne aber an, dass sich das Gedenken wandelt und jede Generation ihren eigenen Umgang mit der Geschichte finden muss. Dresden hat in den letzten Jahren kraftvolle Zeichen gesetzt. Gegen die Instrumentalisierung der Zerstörung unserer Stadt durch rechtsextreme Ideologen. Das war richtig und wichtig. Jetzt ist es an der Zeit, wieder daran zu erinnern, dass der 13. Februar auch FÜR etwas ganz Besonderes steht. Für das Gedenken, für die Versöhnung und für den Frieden.

Es ist legitim, zur Form des Erinnerns und zu den Konsequenzen, die aus unserer Geschichte gezogen werden sollen, verschiedene Ansichten zu haben. Etwas mehr Verständnis füreinander in dieser Frage täte unserer Stadt allerdings gut. Man verleugnet nicht die deutsche Kriegsschuld, wenn man an einem Tag im Jahr auch um die deutschen Opfer trauern möchte. Und man verhöhnt nicht diese Opfer, wenn man gegen den Missbrauch dieses Datums auf die Straße gehen möchte.

Am 13. Februar 1945 wurde unermessliches Leid über unsere Stadt gebracht. Wir sollten uns an diesem Tag wieder stärker Zeit nehmen, still der Opfer zu gedenken. In diesem Rahmen möchte ich anregen, dass auch in den kommenden Jahren die stille Gedenkkultur, die nun Einzug in unsere Stadt erhalten hat, fortgeführt und weiter gepflegt wird. Denn auch, wenn der 75., 80. Jahrestag und gar der 100. Jahrestag ihre Schatten vorauswerfen und „größere“ Gedenkfeierlichkeiten mit sich bringen werden, dürfen wir nicht vergessen, dass der 13. Februar 1945 für Dresden immer ein Tag zwischen Leid und Trauer, aber eben auch Frieden und Versöhnung sein wird - und das stille Gedenken im Vordergrund stehen sollte.

VOM FRAKTIONSVORSITZENDEN JAN DONHAUSER

Jan Donhauser

Tätigkeit:
Stiftungsverwaltung

Funktion:
Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat der Landeshauptstadt Dresden

Dem Wahlkreis zugehörige Stadtteile:
Cossebaude/Mobschatz/Oberwartha, Cotta, Gorbitz-Süd, Gorbitz-Ost, Gorbitz-Nord/Neu-Omsewitz, Briesnitz, Altfranken/Gompitz

Kontakt:
donhauser@dresden-cdu.de