Warum gab es das Arbeitsvertragsmodell 32+X (Flex-Verträge)
und welche – positive wie negative – Erfahrungen hat die Stadt damit als
Arbeitgeber und Träger gemacht?
In den 2000er Jahren
wurden aufgrund der Kinderzahlen die sogenannten Flex-Verträge im
Eigenbetrieb Kita eingeführt. Damals, wie ich finde, eine sinnvolle und
bewährte Maßnahme. Das sind nun über 20 Jahre her und ich bin der
Meinung, dass diese Vertragsform nicht mehr zeitgemäß ist.
Die Arbeitszeiten werden monatlich individuell nach den Bedarfen der
Kinder und Eltern reguliert. Die 32h+X-Flexverträge sind
Teilzeitverträge mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 32
Wochenstunden. Diese wird nicht unterschritten, außer auf Wunsch der
Beschäftigten. Die Verträge enthalten eine Klausel, dass entsprechend
des Bedarfs in den Kitas die Arbeitszeit bis auf Widerruf bis zur
Vollzeitbeschäftigung erhöht werden kann. Wenn der Bedarf nicht mehr
vorhanden ist, wird die Erhöhung der Arbeitszeit widerrufen und es gilt
die Grundarbeitszeit von 32 Wochenstunden.
Es würde keiner oder sehr wenige in der Verwaltung oder gar
Lehrkräfte in den Schulen für diese Vertragsform arbeiten wollen. Auch
hier schwanken ja Arbeitsumfänge, allein in den Sommerferien wird
sicherlich etwas weniger los sein. In einer Befragung der Kitafachleute
haben das über 60 % auch so gesehen.
Welche Folgen hatte der Stadtratsbeschluss vom April 2023 auf bestehende Flex-Verträge.
Mit
Beschluss des Stadtrates durften keine neuen Flex-Verträge mehr
abgeschlossen werden. Die bestehenden Verträge sollten bis Ende Juni
2025 in Festverträge umgewandelt, die Arbeitszeit entsprechend der
Wünsche der Beschäftigten ausgestaltet werden.
Die Beschäftigten in den Kitas der Stadt haben aktuell somit sehr
unterschiedliche Verträge. Das führt leider zu Unmut in den Kollegien.
Wie viele Flex-Verträge wurden bisher umgewandelt bzw. neu abgeschlossen? Wie viele Flex-Verträge bestehen noch?
Bei
Neueinstellungen wurden den Beschäftigten Arbeitsverträge mit einer
festen Wochenarbeitszeit angeboten. In der Zeitspanne vom 20. April 2023
bis 30. April 2025 gab es 134 Einstellungen.
Davon wurden 131 Einstellungen mit einem Festvertrag geschlossen und 3
Personen erhielten noch einen Flex-Vertrag. Die Arbeitsverträge wurden
bereits vor dem Stadtratsbeschluss unterzeichnet.
Eine vollständige Umstellung aller Flex-Verträge auf Festverträge
führt zu steigenden Personalaufwendungen für den Eigenbetrieb und
folglich auch für die Einrichtungen in freier Trägerschaft, weil die
gleichbehandelt werden.
Welche Mehrkosten entstehen durch die Umwandlung aller bisheriger Flex-Verträge für die Stadt Dresden?
Mit
der Umstellung der bestehenden Flex-Verträge entstünden insgesamt
Mehrbedarf in Höhe von 11 Millionen Euro pro Jahr in 2025 und 2026.
Diese Summen konnten jedoch nicht im Doppelhaushalt untergebracht
werden, weil die Prioritäten beim Mehrbedarf Fortführung der
Bildungsstrategie und Elternbeiträge in zweistelliger Millionenhöhe
waren. Für den Doppelhaushalt 2027/2028 steht das Thema wieder auf der
Liste.
Hand aufs Herz Herr Bürgermeister, hat die bisher nicht
vollzogenen Umstellung der bestehenden Flex-Verträge hin zu
Festverträgen Auswirkungen auf den Personalbestand zur Folge gehabt?
Gibt es nennenswerte Personalfluktuationen, die Auswirkungen auf den
Betrieb der Einrichtungen haben?
Hier gibt es keine signifikanten Auswirkungen auf den Personalbestand
außer, dass die Kitafachleute nachvollziehbar sehr enttäuscht sind,
dass es nicht geklappt hat.
Welche tatsächlichen Auswirkungen hat die Änderung des
Beschäftigungsmodells auf die Attraktivität einer Anstellung beim
städtischen Eigenbetrieb? Haben wir ein Besetzungsproblem und
nichtbesetzte Stellen?
Es geht nicht nur um die
Attraktivität, sondern auch und besonders um die
Arbeitsplatzzufriedenheit. Das ist, denke ich, das Wichtigste, um die
uns anvertrauten Kinder bestmöglich zu fördern. Da machen unsere
Kitafachleute einen sehr guten Job und das sollten wir im Fokus halten.