Interview mit Bildungsbürgermeister Jan Donhauser

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Interview mit Bildungsbürgermeister Jan Donhauser

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

der Stadtrat hat im April 2023 die Einführung eines neuen Beschäftigungsmodells im Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen zur Ablösung des Arbeitsvertragsmodells 32+X (Flex-Verträge) beschlossen. Nicht nur unsere Leser möchten sich gern über den Fortgang informieren. Wir haben daher einige Fragen an Sie mitgebracht und freuen uns auf Ihre Antworten.

Warum gab es das Arbeitsvertragsmodell 32+X (Flex-Verträge) und welche – positive wie negative – Erfahrungen hat die Stadt damit als Arbeitgeber und Träger gemacht?
In den 2000er Jahren wurden aufgrund der Kinderzahlen die sogenannten Flex-Verträge im Eigenbetrieb Kita eingeführt. Damals, wie ich finde, eine sinnvolle und bewährte Maßnahme. Das sind nun über 20 Jahre her und ich bin der Meinung, dass diese Vertragsform nicht mehr zeitgemäß ist.

Die Arbeitszeiten werden monatlich individuell nach den Bedarfen der Kinder und Eltern reguliert. Die 32h+X-Flexverträge sind Teilzeitverträge mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 32 Wochenstunden. Diese wird nicht unterschritten, außer auf Wunsch der Beschäftigten. Die Verträge enthalten eine Klausel, dass entsprechend des Bedarfs in den Kitas die Arbeitszeit bis auf Widerruf bis zur Vollzeitbeschäftigung erhöht werden kann. Wenn der Bedarf nicht mehr vorhanden ist, wird die Erhöhung der Arbeitszeit widerrufen und es gilt die Grundarbeitszeit von 32 Wochenstunden.

Es würde keiner oder sehr wenige in der Verwaltung oder gar Lehrkräfte in den Schulen für diese Vertragsform arbeiten wollen. Auch hier schwanken ja Arbeitsumfänge, allein in den Sommerferien wird sicherlich etwas weniger los sein. In einer Befragung der Kitafachleute haben das über 60 % auch so gesehen.

Welche Folgen hatte der Stadtratsbeschluss vom April 2023 auf bestehende Flex-Verträge.
Mit Beschluss des Stadtrates durften keine neuen Flex-Verträge mehr abgeschlossen werden. Die bestehenden Verträge sollten bis Ende Juni 2025 in Festverträge umgewandelt, die Arbeitszeit entsprechend der Wünsche der Beschäftigten ausgestaltet werden.

Die Beschäftigten in den Kitas der Stadt haben aktuell somit sehr unterschiedliche Verträge. Das führt leider zu Unmut in den Kollegien.

Wie viele Flex-Verträge wurden bisher umgewandelt bzw. neu abgeschlossen? Wie viele Flex-Verträge bestehen noch?
Bei Neueinstellungen wurden den Beschäftigten Arbeitsverträge mit einer festen Wochenarbeitszeit angeboten. In der Zeitspanne vom 20. April 2023 bis 30. April 2025 gab es 134 Einstellungen.

Davon wurden 131 Einstellungen mit einem Festvertrag geschlossen und 3 Personen erhielten noch einen Flex-Vertrag. Die Arbeitsverträge wurden bereits vor dem Stadtratsbeschluss unterzeichnet.

Eine vollständige Umstellung aller Flex-Verträge auf Festverträge führt zu steigenden Personalaufwendungen für den Eigenbetrieb und folglich auch für die Einrichtungen in freier Trägerschaft, weil die gleichbehandelt werden.

Welche Mehrkosten entstehen durch die Umwandlung aller bisheriger Flex-Verträge für die Stadt Dresden?
Mit der Umstellung der bestehenden Flex-Verträge entstünden insgesamt Mehrbedarf in Höhe von 11 Millionen Euro pro Jahr in 2025 und 2026. Diese Summen konnten jedoch nicht im Doppelhaushalt untergebracht werden, weil die Prioritäten beim Mehrbedarf Fortführung der Bildungsstrategie und Elternbeiträge in zweistelliger Millionenhöhe waren. Für den Doppelhaushalt 2027/2028 steht das Thema wieder auf der Liste.

Hand aufs Herz Herr Bürgermeister, hat die bisher nicht vollzogenen Umstellung der bestehenden Flex-Verträge hin zu Festverträgen Auswirkungen auf den Personalbestand zur Folge gehabt? Gibt es nennenswerte Personalfluktuationen, die Auswirkungen auf den Betrieb der Einrichtungen haben?

Hier gibt es keine signifikanten Auswirkungen auf den Personalbestand außer, dass die Kitafachleute nachvollziehbar sehr enttäuscht sind, dass es nicht geklappt hat.

Welche tatsächlichen Auswirkungen hat die Änderung des Beschäftigungsmodells auf die Attraktivität einer Anstellung beim städtischen Eigenbetrieb? Haben wir ein Besetzungsproblem und nichtbesetzte Stellen?
Es geht nicht nur um die Attraktivität, sondern auch und besonders um die Arbeitsplatzzufriedenheit. Das ist, denke ich, das Wichtigste, um die uns anvertrauten Kinder bestmöglich zu fördern. Da machen unsere Kitafachleute einen sehr guten Job und das sollten wir im Fokus halten.

(Bildnachweis: LHDD_BG_Jan Donhauser_© David Nuglisch)