31. März 2016

Wie lang dauerts noch mit der Freigabe der Albertbrücke für den Kfz-Verkehr und welche Rolle spielt der Denkmalschutz?

Die Sanierung der Albertbrücke entwickelt sich leider zur unendlichen Geschichte. Im Februar mussten wir nun zum dritten Mal die Verschiebung des Fertigstellungstermins zur Kenntnis nehmen. Sicherlich, bei solchen Baumaßnahmen kann es immer zu Überraschungen kommen. Oder das Wetter macht einen Strich durch die Rechnung, wodurch es dann zu Verzögerungen im Bauablauf und zu Bauzeitverlängerungen kommen kann. Doch bei der Albertbrücke sind einige Gründe eben leider auch hausgemacht, und die daraus entstehenden Auswirkungen finde ich persönlich äußerst ärgerlich. Darüber hinaus haben diese Gründe zudem auch noch das Potential, unsere Stadt wieder einmal deutschlandweit der Lächerlichkeit preiszugeben. Dabei meine ich die Errichtung des doppelten Brückengeländers, welches bereits seit einiger Zeit für Diskussionen sorgt.

Aber wie ist es eigentlich zu dieser wenig verständlichen Entscheidung gekommen, und warum bleibt die Brücke weiter für den Kfz-Verkehr gesperrt? Hierbei spielt leider wieder einmal das Ämterhickhack innerhalb der Stadtverwaltung und das sture Beharren auf den eigenen Positionen die entscheidende Rolle. Die Leidtragenden, auf deren Rücken das alles ausgetragen wird, sind die Steuerzahler und Bürger unserer Stadt!

Die Albertbrücke steht als historische Sandsteinbogenbrücke unter Denkmalschutz und verfügte über ein schön gestaltetes und mit sogenannten Vasen verziertes Brückengeländer, welches ebenfalls unter Denkmalschutz steht. Somit hat der Denkmalschutz also auch ein gewichtiges Wort bei allen Fragen der Brückensanierung mitzureden, und das ist prinzipiell auch in Ordnung. Problematisch wird es aber, wenn die Denkmalschutzbelange mit denen der aktuell gültigen Sicherheitsstandards und den funktionalen Anforderungen in Konflikt geraten.

Das „Geländer für das Geländer“ auf der Albertbrücke, ganz Deutschland lacht über diese eigenwillige Konstruktion. Foto: privat

Bei der Albertbrücke ist das Problem, dass das alte Geländer mit einer Höhe von 1,10 m nicht den heutzutage gültigen sicherheitstechnischen Anforderungen entsprach, die eine Mindesthöhe von 1,30 m vorschreiben. Es ist also die Frage, wie die beteiligten Fachämter so eine Diskrepanz auflösen und zu einem vernünftigen und praktikablen Ergebnis kommen.

Doch das Denkmalschutzamt bestand auf der originalgetreuen Wiederherstellung des alten Brückengeländers mit einer Höhe von 1,10 m. Es war zu keinerlei Kompromissen bereit und gab keine Genehmigung für eine Streckung der Gestaltungselemente, um die geforderte Höhe von 1,30 m zu erreichen. Mit dieser Forderung setzte sich das Denkmalschutzamt gegenüber den anderen Ämtern durch, und damit fiel die einfachste, naheliegendste und günstigste Lösungsvariante weg. Daraufhin wurden andere Varianten geprüft, so z.B. das Aufsetzen des Geländers auf Ständer oder auf einen Sockel, aber auch diese Varianten wurden aus technischen bzw. gestalterischen Gründen verworfen.

Die Ämter einigten sich schließlich darauf, das originale Geländer mit der Höhe von 1,10 m zu errichten und daneben noch ein zweites Geländer zu setzen, welches mit einer Höhe von 1,30 m die sicherheitstechnischen Anforderungen erfüllt. Ein Schildbürgerstreich, der nicht nur teuer ist, sondern im Ergebnis auch äußerst fragwürdig aussieht und für normal denkende Menschen völlig unverständlich ist.

Doch damit nicht genug. Die Fertigstellung des Geländers verzögerte sich, so dass der Fußweg nicht zur Nutzung freigegeben werden konnte. Das wiederum bedeutet, dass auch die Kfz-Fahrbahn in Richtung Neustadt nicht - wie ursprünglich vorgesehen - ab Sommer 2015 wieder für den Kfz-Verkehr genutzt werden konnte. Die Kraftfahrzeuge müssen also weiterhin die Carola- und die Waldschlößchenbrücke als Ausweichstrecken nutzen, was regelmäßig zu vermeidbaren Staus am Rathenau- und Carolaplatz oder an der Kreuzung Stauffenbergallee / Königsbrücker Straße oder auch auf der Bautzner Straße und zu problematischen Schleichverkehr durch das Preußische Viertel führt.

Inzwischen steht nun die Fertigstellung des blödsinnigen Doppelgeländers kurz bevor und der Fuß- und Radweg und somit auch die Fahrbahn in Richtung Neustadt könnten freigegeben werden, doch die Stadtverwaltung denkt nicht daran. Die Brücke soll bis zur endgültigen Fertigstellung, voraussichtlich im Herbst 2016, für Kfz gesperrt bleiben, um die Radverkehrsführung jetzt nicht noch einmal anpassen zu müssen. Das ist für mich völlig unverständlich und auf Grund der sich daraus entstehenden Konsequenzen für den Dresdner Stadtverkehr nicht akzeptabel.

Leider sind wir als Stadträte aber in diese Entscheidung ebenso wenig eingebunden wie in die zur Errichtung des Doppelgeländers. Hier wiehert der Amtsschimmel in seiner schlimmsten Form, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass wir diese Entscheidungen so mitgetragen hätten. Insbesondere ist das Handeln des Denkmalschutzamtes und des Straßen- und Tiefbauamtes zu hinterfragen. Es scheint mir da zum Teil nicht darum zu gehen, Entscheidungen im Sinne der Bürger und Steuerzahler zu treffen, sondern nur um das Durchsetzen der eigenen Ansichten. Das kann es nicht sein, da muss sich ganz deutlich etwas ändern. Keine Frage, Denkmalschutz ist wichtig, aber auch der Denkmalschutz muss sich in praktische Gegebenheiten einordnen. Mit der Bautzner Straße und der Stauffenbergallee-West stehen bereits die nächsten Ausbauentscheidungen an, zu denen das Denkmalschutzamt schon wieder negative Stellungnahmen abgegeben hat. Aber es kann nicht nur um Denkmalschutz gehen, auch die Anforderungen der Verkehrssicherheit und der Leistungsfähigkeit müssen zwingend berücksichtigt werden! Wohin Scheuklappendenken einzelner Ämter führt, sieht man leider beim Doppelgeländer auf der Albertbrücke...

Gunter Thiele
Baupolitischer Sprecher