08. Februar 2017

13. Februar – Worthülsen von gestern zum Nachdenken für morgen

Der 13. Februar naht wieder. Und unser Oberbürgermeister – so die Presse - warnte in diesem Zusammenhang vor dem Dresdner Opfermythos; Dresden sei keine unschuldige Stadt gewesen. Gestern per Pressemitteilung Unterstützung von den Grünen. Wir aber meinen: Richtiges wurde gesagt – und dennoch war dies schief und unsensibel. Unmissverständlich: kein Anlass für Beschimpfungen, persönliche Beleidigungen oder gar Gewaltandrohungen – das verstößt zutiefst gegen unsere Werte.

Dem Ersten Mann der Stadt freilich wünschte man auch bei kurzen Aussagen eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem Thema. Vom Gedenken über das Versöhnen hin zu gemeinsamem Handeln in der Gegenwart, ein möglichst breiter Konsens der Zivilgesellschaft unserer Stadt – auf diesem Weg zu führen, wäre doch Pflicht für den Ersten Mann der Stadt.

Linksgrün angehauchte Worthülsen aber helfen dabei sicher nicht. Zunächst: Opfermythos? Der führt doch seit Jahrzehnten nur noch ein Schattendasein bei einem verschwindend geringen Anteil der Bevölkerung, kaum noch in der öffentlichen Meinung, lebt vor Allem noch als billige Zielscheibe seiner Gegner. Da muss ein Oberbürgermeister sich nicht einreihen. Und - kann eine Stadt schuldig oder unschuldig sein? Es sind Menschen, die Schuld und Verantwortung tragen. Da gab es in Dresden – wie in jeder anderen großen Stadt – wirkliche Naziverbrecher, Menschen, die rücksichtslos ihrer Karriere Anstand und Menschlichkeit opferten, Mitläufer, die einfach ihr kleines Leben schadlos leben wollten, Menschen im inneren Widerstand, die nicht offen opponierten, aber Bedrängten halfen, Widerstandskämpfer, unschuldige Kinder. Platte Vereinfachungen müssen da verletzen.

Kommunikation lebt nicht nur vom Gesagten. Als Botschaft hinter der Botschaft des Oberbürgermeisters kann Mancher vermuten: Dresdens Bombardierung - gerechte Strafe für Untaten der Faschisten. Und das ruft natürlich Widerstand hervor. Selbst für schlimmste Verbrechen lehnt unsere Gesellschaft mit Recht die Todesstrafe ab. Auch wenn man stark verkürzt, muss die Botschaft stimmig sein. Wenn man schon formuliert: keine unschuldige Stadt, gehört untrennbar dazu: Gleichwohl wurden viele tausend Menschen Opfer, kamen ums Leben, verloren geliebte Menschen, Hab und Gut.

Aus Nachdenklichkeit erwachsende Verantwortung für die Zukunft wird nicht erzeugt durch Einseitigkeit und Plattheiten. Nachdenklichkeit kann eher erwachsen aus der Frage: Bewusster Bombenterror gegen die Zivilbevölkerung deutscher Städte – gerechtfertigt durch das Bemühen, eigene menschliche Verluste möglichst gering zu halten, den Krieg schnell zu beenden? Nicht so einfach zu beantworten und noch im Hier und Heute von Bedeutung.

Menschlichkeit – ein gutes Motto für die Menschenkette am 13. Februar 2017. Frieden, Freiheit, Menschenwürde – das kann man so zusammenfassen. Respekt vor den Opfern – unschuldigen und auch schuldigen gehört allerdings untrennbar dazu.

Dr. Georg Böhme-Korn
Stellv. Fraktionsvorsitzender