Echter Aufbruch oder übermütige Euphorie?
Nach chaotischen Monaten
muss Dynamo Dresden nun das Fundament für bessere Zukunft
legen
Nach chaotischen Wochen und einer Negativschlagzeile
nach der nächsten, scheinen sich die Wogen bei Dynamo
Dresden vorerst wieder geglättet zu haben. Zumindest
berichteten die Zeitungen während der Sommerpause wieder
mehr über das Sportliche und die Saisonvorbereitung des
Vereins. Bleibt zu hoffen, dass dies mit dem Start der
neuen Saison so bleibt und im Verein dauerhaft Ruhe
einkehrt. Der Sport gehört auch bei Dynamo Dresden in den
Vordergrund!

 |
Verfasser
Stadträtin Anke Wagner,
sportpolitische Sprecherin |
 Die CDU-Fraktion hat das Thema im Stadtrat
hat auf der letzten Stadtratssitzung vor der Sommerpause
mit einer aktuellen Stunde ganz bewusst noch einmal auf die
Tagesordnung gehoben. Denn nach dem im März gefällten
Stadtratsbeschluss über die Zuschusserhöhung an die Stadion
Dresden Projektgesellschaft, rutschte Dynamo Dresden in die
wohl größte Krise seit 20 Jahren. Erneut wurden Lügen und
Intrigen öffentlich. Oberste Führungsgremien blockierten
sich gegenseitig, statt im Sinne des Vereins an einem
Strang zu ziehen. Ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte des
Dresdner Traditionsvereins war erreicht.
Mal wieder wurde deutlich, dass die chaotischen Zustände in
Gänze auf eigene Fehler des Vereins rückführbar sind. Mal
wieder waren es Einzelpersonen und deren persönliche
Animositäten, die das öffentliche Bild beschädigten und
gewonnenes Vertrauen verspielten. Mal wieder führte Dynamo
Dresden Stadt und Stadtrat an der Nase herum: Wird Geld
benötigt, verhält man sich kulant und pfleglich. Wurde das
finanzielle Wünsch-Dir-Was erfüllt, so geraten getätigte
Zusagen oder die positiven Effekte personeller Kontinuität
gegenüber Partnern leider schnell in Vergessenheit. Wer so
mit der Landeshauptstadt umspringt, der muss sich nicht
wundern, wenn der öffentliche Geldhahn zugedreht wird.
Nach turbulenten Monaten, dem Rücktritt des alten
Aufsichtsrates und dem Abgang von Stefan Bohne befindet
sich Dynamo Dresden nun in einer wichtigen Phase der
Neuorientierung. Und genau dies wollte die CDU-Fraktion mit
der aktuellen Stunde im letzten Stadtrat thematisieren.
Die derzeitige Übergangssituation mit Not-Aufsichtsrat und
Interimsgeschäftsführer ist eine Chance für den Verein. Im
Aufsichtsgremium haben sich namhafte Leute in die Pflicht
nehmen lassen. Weitere Persönlichkeiten gehen ehrenamtlich
in die Bütt. Mit Klaus Sammer, Rainer Calmund, Ralf Minge,
Dixie Dörner und vielleicht auch Ede Geyer herrscht so
etwas wie Aufbruchstimmung. Die damit verbundenen
Positivschlagzeilen sind erfreulich. Entscheidend wird aber
die Antwort auf folgende Frage sein: Entpuppt sich die
personenbezogene Euphorie als Luftblase, oder erkennen die
Verantwortungsträger im Verein die Zeichen der Zeit und
stellen gemeinsam mit den Mitgliedern die Weichen für eine
bessere Zukunft? Es wird sich zeigen, ob sich die SG Dynamo
Dresden entscheidet, weiter im Chaos zu versinken oder
endlich eine neue Ära der Vereinsgeschichte einzuläuten.
Diese Antwort wird darüber mitentscheiden, wie die
vereinbarten Vertragsverhandlungen mit der Stadt laufen und
letztlich damit auch über die finanzielle Stabilität des
Vereins.
In der Vergangenheit war die CDU-Fraktion nie bereit, die
unberechenbaren Zustände bei Dynamo Dresden kritiklos
hinzunehmen. Deshalb wurden finanzielle Zuschüsse auf
Drängen der CDU stets an konkrete Bedingungen geknüpft.
Auch im Nachgang erweist es sich als richtig, den Verein in
die Pflicht zu nehmen und für Kontrollinstrumente zu
sorgen. Auch der aktuell in den Ausschüssen beratene Antrag
der CDU-Fraktion befasst sich konstruktiv kritisch mit der
Zukunft der SG Dynamo Dresden. Darin werden Ideen und
Anforderungen für eine langfristige Perspektive
thematisiert und ebenso Erwartungen an den amtierenden
Not-Aufsichtsrat formuliert.
Denn eines ist durch die Geschehnisse in den letzten
Monaten nochmals deutlich geworden: Die Strukturen bei
Dynamo Dresden müssen professionalisiert werden und gehören
an wirtschaftliche Erfordernisse angepasst.
Strukturveränderungen in diesem Sinne bilden das Fundament
für eine langfristige Perspektive der SG Dynamo Dresden.
Wer Umsatz und Zuschauerzahl der 2. Liga hat, wer sich
selbst als mittelständisches Unternehmen bezeichnet und wer
vor allem den Anspruch hat, bald wieder in der 2. Liga zu
spielen, der muss auch die Strukturen schaffen, um dort
konkurrenzfähig zu sein.
Während andere Parteien auf Dynamos Herausforderungen stets
mit Geld antworten wollen, so ist die Antwort der CDU
struktureller Natur. Denn aus CDU-Sicht steht fest: Die
weitere Subvention einer unberechenbaren Blackbox verbietet
sich. Ohne wirtschaftliche Strukturen darf kein
öffentliches Geld mehr fließen und ohne verlässliche
Ansprechpartner wird es kein Vertrauen geben.
Die von Rainer Calmund formulierten Ziele zur
wirtschaftlichen Ausgestaltung der Vereinsstrukturen kann
man deshalb nur unterstützen. Vereinsintern stößt dieser
Ansatz allerdings auf geteiltes Echo – bisweilen schon
jetzt auf vehementen Widerstand. Den Akteuren des Übergangs
soll der CDU-Antrag deshalb Rückenwind geben, um ein
wirkliches Umdenken im Verein einzuleiten. Mit positivem
politischem Druck soll geholfen werden, den Tanker Dynamo
Dresden nun endlich auf Dauer in das zuletzt viel zitierte
und dringend notwendige ruhige Fahrwasser zu manövrieren.
Denn: Jetzt ist die Zeit, endlich für geordnete und für
Kontinuität garantierende Strukturen zu sorgen.
Die Botschaft an den Verein lautet also: Hör’ auf im
Gestern zu leben. Fang’ an ein gutes Fundament für die
Zukunft zu legen! |