20 Jahre freie Kommunalwahlen
Vor 20 Jahren, am 6. Mai 1990, fanden die ersten freien
Kommunalwahlen in Dresden statt. Mehrere 100 Kandidaten
hatten sich auf 20 Listen um die 130 Mandate für die
Dresdner Stadtverordnetenversammlung beworben. Es gab
Listen wie die Demokratische Union, dem Bündnis aus CDU,
Demokratischem Aufbruch und Deutscher Forumpartei, die
Kandidaten in allen Wahlkreisen aufgestellt hatten, aber
auch Exoten wie beispielsweise die Demokratische Partei der
Arbeiterklasse und Intelligenz, die mit einem einzigen
Kandidaten in nur einem Wahlkreis angetreten waren. Einen
Wahlkampf um Stimmen, wie wir ihn heute kennen, gab es
nicht, aber eine Wahlbeteiligung von 71,3 %, von der wir
heute leider nur träumen können. Sie wieder zu erreichen,
sollte das Ziel aller Demokraten sein. Mit 39,3 % erhielt
die Demokratische Union die meisten Stimmen. Fünf der
damals gewählten Stadtverordneten gehören heute noch dem
Stadtrat an, alle aus der CDU-Fraktion: Angela Malberg,
Christa Müller, Dr. Georg Böhme-Korn, Klaus-Dieter Rentsch
und Dr. Helfried Reuther.

 |
Verfasser
Stadtrat Dr. Helfried
Reuther,
Pressesprecher
|
 Erfahrungen mit der neuen Kommunalpolitik
hatte niemand, denn nichts war zu vergleichen mit der
vorherigen Stadtverordnetenversammlung bzw. den fünf
Stadtbezirksversammlungen. Es galt, wirkliche
Entscheidungen mit großer Wirkung zu treffen. Wir haben in
den ersten Jahren nach 1990 die Weichen für die Entwicklung
Dresdens völlig neu gestellt, angefangen beim
Flächennutzungsplan oder dem Verkehrskonzept, bei
notwendigen Satzungen, bis zu den Gründungen der
städtischen Gesellschaften wie der
Wohnungsbaugesellschaften, der Verkehrsbetriebe oder der
Gesellschaften für die Ver- und Entsorgung der Stadt.
Rückblickend ist festzustellen, dass uns das durchaus
erfolgreich gelungen ist.
Die damaligen Sitzungen waren turbolent und anfangs auch „open
end“, bis wir nach einer Versammlung, bei der bis weit nach
Mitternacht um die Autobahn gestritten wurde, festlegten,
dass nach 22 Uhr kein neuer Tagesordnungspunkt mehr
aufgerufen werden soll. Die Parteienlandschaft war noch
nicht so ausgeprägt wie heute. Es gab einen Konsens Aller
gegen das damalige Aktionsbündnis PDS: Nie wieder eine
Vorherrschaft dieser Partei, keine weiteren sozialistischen
Experimente a la DDR. Letzteres scheint heute manchmal
leider völlig in Vergessenheit geraten zu sein. Wenn man
davon absieht, dass dem Plenum auch einmal die Zunge
herausgestreckt wurde, war der Umgang miteinander
respektvoller, als er es heute manchmal ist. Wir sollten
öfter daran denken, dass die vor 20 Jahren erkämpfte
Demokratie ein hohes Gut ist, das zu bewahren, aber auch zu
pflegen ist.
 |
| |
|