Das Problem des „letzten Mals“
Oder: Schon wieder eine Steuermillion zur
Insolvenzvermeidung der SG Dynamo Dresden?
So manchem alt gedienten Stadtrat mögen die letzten
Wochen vorgekommen sein, wie ein déjà-vu: Mal wieder
klopfte die SG Dynamo Dresden an die Tür der
Landeshauptstadt und bat um Hilfe zur Abwendung einer
drohenden Insolvenz. Und dies, nachdem bei der letzten
Rettungsaktion fast alle Fraktionen Stein und Bein
geschworen haben, es sei nun definitiv das berühmte „letzte
Mal“. Auch die CDU-Fraktion stimmte unter Bauchschmerzen im
vergangenen Jahr für die Gewährung eines einmaligen
Zuschusses an die Stadionprojektgesellschaft in Höhe von
knapp 528.000 Euro. Gleiches gilt für die Stundung der
Tilgung eines Darlehns von 2008, das damals zur dringenden
Abwendung der Insolvenz gewährt wurde. Das Ganze war
gebunden an zahlreiche Auflagen; u.a. die absolute
finanzielle Transparenz gegenüber der Stadt, die Bestellung
eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers und die
vereinsinterne Durchsetzung unpopulärer Maßnahmen.

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Verfasser
Stadträtin Anke Wagner
sportpolitische Sprecherin |
 Verhandlungen und Kompromissvorschlag der
Stadt
Zudem wurden Verhandlungen zu den wirtschaftlichen
Folgen durch den Stadionneubau vereinbart. Diese fanden
statt. Das Resultat sind zwei unterschiedliche
Rechenmodelle mit abweichenden Ergebnissen. Eine Annäherung
zwischen den Zahlenwerken fand nicht statt. Während die SG
Dynamo Dresden aufgrund des Stadionsbaus 1,5 Millionen Euro
zur Abwendung einer drohenden Insolvenz reklamiert,
errechnete Kämmerer Vorjohann ein objektives Defizit von
312.000 Euro.
Diese Zahlen galt es zu bewerten: vor dem Hintergrund der
Historie, dem Beschluss zum Stadionbau, der vermeintlichen
Insolvenzdrohung des Vereins sowie dem am 1. März zu
stellenden Lizenzantrag bei DFB.
Nach kontroverser interner Debatte entschied sich die
CDU-Fraktion mehrheitlich dafür, dem vorgelegten
Kompromissvorschlag von Finanzbürgermeister Vorjohann -
vorbehaltlich einer Änderung der Finanzierung - zu folgen (*
siehe Absatz unten). Er sieht eine Erhöhung des jährlichen
Zuschusses an die Stadionprojektgesellschaft um 527.761
Euro vor. Dies bedeutet die vollständige Übernahme des
Schuldendienstes durch die Landeshauptstadt. Der SG Dynamo
Dresden obliegt es, für anfallende Betriebskosten
aufzukommen.
Position der CDU-Fraktion
Die vorgeschlagene Lösung ist seriös gerechnet und gut
begründet. Deshalb betrachtet die CDU-Fraktion den
vorgeschlagenen Kompromiss gegenüber der SG Dynamo Dresden
als fair, solide und großzügig. Warum? Er ist …
- … fair, weil er das objektiv errechnete, dem
Verein aufgrund des Stadionbaus nicht anzulastende, Defizit
von 312.000 Euro ausgleicht. Die Stadt bietet an, das
Stadion komplett zu finanzieren und stellt die
Infrastruktur für Profifußball in Dresden bereit. Durch den
Zuschuss an die Stadionprojektgesellschaft handelt es sich
um die Subvention einer Sportanlage, nicht eines Verein.
- … solide, weil die Landeshauptstadt damit eine
dauerhafte Zusage macht (zunächst für die Laufzeit von 9
Jahren) und langfristige Planungen ermöglicht. Der Verein
soll beim eingeschlagenen Weg geordneter finanzieller
Verhältnisse begleitet werden.
- … großzügig, weil positive vereininterne
Entwicklungen anerkannt werden – trotz angespannter
Wirtschaftslage und zu erwartender schmerzhafter
Einschnitte. Für die vom Verein geforderte knappe Million
mehr gibt es schlichtweg keine Spielräume.
Viele Dresdnerinnen und Dresdner empfinden das Verhalten
der SG Dynamo Dresden als unanständig. Verhandlungen sind
in ihrem Ergebnis grundsätzlich offen. Der Verein beharrt
allerdings auf seiner Forderung von 1,5 Millionen Euro.
Dies ist unfair gegenüber dem Steuerzahler, denn zahlreiche
Steuermillionen flossen bereits in Verein und Stadionbau.
Es ist unfair gegenüber anderen Sportvereinen und gegenüber
der Landshauptstadt. Angeboten werden eine langfristige
Lösung sowie die Entbindung von Zahlungsverpflichtungen für
den Stadionbau. Hierbei darf man folgendes nicht vergessen:
die SG Dynamo Dresden, allen voran ihre Fans, wollten das
Stadion an dieser Stelle. Nun zu sagen, dass bei Absenken
des geforderten Zuschusses die Insolvenz unumgänglich ist,
kommt Erpressung gleich.
In der Beratung der zuständigen Ausschüsse am 26. Februar
2010 zeigte sich die CDU-Fraktion zusätzlich
kompromissbereit. Ihre Vertreter waren bereit, das von
anderen Fraktionen vorgeschlagene Aussetzen der Tilgung
eines bereits gewährten Darlehens und damit eine
zusätzliche Liquiditätshilfe in Höhe von 116.000 Euro
mitzutragen. Dies käme einer Gesamtentlastung von knapp
644.000 Euro gleich. Letztlich waren es die Befürworter von
bedeutend höheren Zuschüssen, die die Angelegenheit in den
Stadtrat hoben und damit die Einreichung der
Lizenzunterlagen zusätzlich erschweren.
Auch für die Debatte im Stadtrat steht fest: An einem
Wettlauf um die vermeintliche Gunst und die damit
verbundene Privilegierung eines einzelnen Vereins beteiligt
sich die CDU nicht. Die positiven Entwicklungen bei der SG
Dynamo Dresden erkennt die Fraktion an und ist auch deshalb
bereit, den von der Stadt vorgeschlagenen Kompromiss mit zu
tragen.
Wer einen Millionenbetrag fordert, handelt auf einem Auge
blind. Es ist nicht die Aufgabe der Landeshauptstadt, für
Dinge aufzukommen, für die ein Verein gerade stehen muss.
Die SG Dynamo Dresden bezeichnet sich als mittelständisches
Wirtschaftsunternehmen. Fußball ist ein
privatwirtschaftliches Geschäft, nicht Pflichtaufgabe einer
Kommune. Weitere schmerzhafte vereinsinterne
Sparanstrengungen sind unumgänglich. Die restliche Summe
zum behaupteten Fehlbetrag liegt in der Verantwortung des
Vereins. Die Vergangenheit zeigt, dass die SG Dynamo
Dresden ein gewisses Maß an Druck benötigt, um ernsthafte
Sparanstrengungen unternehmen und durchzusetzen zu können.
Dies hat die CDU-Fraktion im Blick und trägt Forderungen
für nochmalige Millionenzuschüsse an den Verein nicht mit.
Schließlich handelt es sich um Steuerzahlergeld, welches
hier mit vollen Händen ausgegeben werden soll.
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* Ein Ergänzungsantrag der CDU-Fraktion zur finanziellen
Deckung der jährlichen Zuschusserhöhung an die
Stadionsprojektgesellschaft wurde im Sportausschuss
einstimmig angenommen. Dieser sichert dem Eigenbetrieb
Sportstätten und Bäder für 2010 einen Ausgleich in gleicher
Höhe aus dem erwarteten Überschuss des
Verwaltungshaushaltes 2009/10. Zudem soll die
Landeshauptstadt bei den anstehenden Haushaltsverhandlungen
absichern, dass die Zuschusserhöhung nicht zu Lasten
anderer Sportvereine, der Sportförderung oder
Sportinvestitionen geht.
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