Kaufen wir jetzt die Geso?
Zur
möglichen Neuordnung der ostsächsischen Energiewirtschaft
Im März 2009 stellte ich an gleicher Stelle die Frage:
„Kaufen wir die DREWAG zurück?“ Die Antwort war, zunächst
einmal Konsortial- und Gesellschaftsvertrag zum
Vertragsende 2012 zu kündigen, die sich daraus ergebenden
Möglichkeiten sorgfältig zu prüfen und erst dann eine
Entscheidung zu treffen, wie weiter zu verfahren ist.
Folgerichtig hat der Stadtrat noch vor der Kommunalwahl
beschlossen, die Verträge zu kündigen und sich damit alle
Optionen offen zu halten:
1. Die Stadt erwirbt über die Technischen Werke Dresden (TWD)
die Unternehmensanteile zurück und betreibt in Zukunft die
DREWAG allein.
2. Die Stadt erwirbt über die TWD die Unternehmensanteile
zurück und schreibt anschließend wiederum einen Teil davon
zum Verkauf aus.
3. Die Stadt verzichtet auf den Rückkauf der
Unternehmensanteile und handelt mit den jetzigen
Miteigentümern neue, für Dresden günstigere Verträge aus.

 |
Verfasser
Stadtrat Dr. Helfried
Reuther, Pressesprecher und Sprecher für Umwelt und
Kommunalwirtschaft |
 Inzwischen gab es aber auf dem Energiemarkt
große Änderungen. Die Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW)
muss sich auf Grund einer Auflage des Kartellamts von der
GESO Beteiligungs- und Beratungs-Aktiengesellschaft (Geso),
über die sie ihre Anteile an der DREWAG hält, trennen,
damit sie Anteile an der Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft
(VNG), der großen ostdeutschen Gasgesellschaft, erwerben
kann, und die Thüga München hat unterdessen neue
Eigentümer, nicht mehr EON, sondern ein Konsortium vieler
Stadtwerke, u.a. von Hannover, Frankfurt/M. und Nürnberg.
Somit fällt o. g. Option 3 weg. Die Stadt wird also über
die TWD die zur Zeit nicht-städtischen DREWAG-Anteile
zurückkaufen und sich darüber hinaus bemühen, auch die Geso
zu erwerben.
 |
| Kraftwerk der DREWAG an
der Nossener Brücke |
Der Kauf und Verkauf der Beteiligungen,
Eigentümerwechsel, Auflagen des Kartellamts, der Vorschlag,
zuerst über ein Konsortium von TWD und KBO, dann als TWD
allein die Geso zu kaufen, sind offensichtlich so
kompliziert und schwer zu verstehen, dass es in einigen
Diskussionen ziemlich durcheinander ging. Da wurde die EnBW
zu EON oder es wurde von einer EuBW berichtet, es wurde
empfohlen, die ganze DREWAG zu verkaufen, auch die
Sachlichkeit ging verloren. Deshalb soll hier noch einmal
der aktuelle Sachstand berichtet und versucht werden, die
neue Frage zu beantworten: Sollen wir die Geso kaufen, und
wenn ja, was machen wir damit?
Die Geso gehört zu 100 % der EnBW. Sie ist zu 35 % an der
DREWAG beteiligt, ist Mehrheitsgesellschafter der Enso, des
Energieversorgers in Ostsachsen, und besitzt außerdem
Anteile an den Radebeuler/Coswiger, Meißner, Bautzner,
Pirnaer, Zittauer und Freitaler Stadtwerken. Dieses
Unternehmen ist zu verkaufen.
Zunächst war die Idee, dass die DREWAG zusammen mit der KBO
(Kommunale Beteiligungsgesellschaft mbH), einem
Zusammenschluss von über 160 ostsächsischen Gemeinden,
einem Stadtwerk sowie dem Sächsischen Städte- und
Gemeindetag, ein gemeinsames Kaufangebot abgibt. Damit
stand man u.a. in Konkurrenz zu mehreren Finanzinvestoren
sowie zum tschechischen Energiekonzern CEZ. Im Dezember
2009 hat sich EnBW entschieden, exklusiv nur noch mit der
TWD zu verhandeln. Alle anderen Bieter sind nicht mehr im
Geschäft. Dazu beigetragen haben dürfte auch die Kündigung
der DREWAG-Verträge durch die Stadt, die EnBW
offensichtlich gar nicht in die Strategie passte, den
anderen Bietern aber deutlich gemacht hat, dass die DREWAG
ihnen nicht zur Verfügung stehen wird.
Was sind die Vor- und Nachteile des angestrebten Geschäfts
und soll die CDU das Vorhaben unterstützen?
Vorteil – nicht nur für Dresden – ist, dass es einen
einzigen Energieversorger in Ostsachsen geben wird und man
gemeinsam gegen die Konkurrenz aus dem übrigen Bundesgebiet
und dem Ausland antreten kann. Synergien zwischen DREWAG
und Geso können noch besser als bisher genutzt werden, die
Arbeitsplätze bleiben in der Region.
Der jährliche Gewinn beider Unternehmen liegt gegenwärtig
bei über 100 Mio. Euro. Das ist ausreichend, um wie bisher
den Dresdner Nahverkehr zu stützen und gleichzeitig den
Kaufpreis für die Geso zu finanzieren, beides ohne die
Stadtkasse zu belasten und die Schuldenfreiheit Dresdens
anzutasten. Gerade letzter Punkt wird immer wieder
hinterfragt. Kreditaufnahme durch die TWD sei
Neuverschuldung der Stadt über die Hintertür. Eine solche
Betrachtung ist falsch, denn üblicherweise finanzieren alle
Firmen ihre Investitionen über Kredite. Auch DREWAG,
Stadtentwässerung oder Stadtreinigung haben
Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, ohne dass man
deshalb von Schulden der Stadt gesprochen hätte.
Festzustellen ist aber auch, dass Dresden mit den
Teilprivatisierungen von Stadtreinigung und
Stadtentwässerung, aber auch mit den Mitgesellschaftern der
DREWAG nicht schlecht gefahren ist. Externer Sachverstand
und der Blick von außen haben den Unternehmen gut getan,
haben dazu beigetragen, dass sich alle drei als moderne,
leistungsfähige und effiziente Unternehmen am Markt
behaupten. Darauf sollte auch in Zukunft nicht verzichtet
werden, auch wenn dadurch der Gewinn geteilt werden müsste.
Eventuelle Risiken würden aber ebenfalls auf mehrere
Schultern verteilt. Im Übrigen wird der Haushalt der Stadt
Aufbesserungen durch Veräußerungsgewinne dringend notwendig
haben.
Die CDU sollte also das Vorhaben unterstützen und den Kauf
der Geso positiv begleiten. Danach kann in Ruhe nach neuen
Partnern gesucht werden, Interessenten gibt es bereits. Für
Neuverhandlungen hat die Stadt beste Ausgangspositionen,
denn anders als 1991 bzw. 1997, wo die Partner bereits
feststanden und Bedingungen vorgeben konnten, gibt es jetzt
einen völligen Neubeginn, und die Vorgaben macht die Stadt.
 |
| |
|