Gedenken: Vor 71 Jahren brannte auch in Dresden die
Synagoge
In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannte – wie
in den meisten deutschen Städten – auch in Dresden die
Synagoge. Doch die Fackeln, die die Nationalsozialisten an
jenem finsteren Tag in die Synagogen Deutschlands warfen,
wurden zum Flächenbrand in ganz Europa, der wenige Jahre
später in die deutschen Städte zurückkehrte. Wenige Wochen
vor dem Ende von Krieg, Nazi-Barbarei und Massenmord an
sechs Millionen europäischen Juden mündete er am 13. und
14. Februar 1945 in den Feuerschein des brennenden
Dresdens.


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Verfasser
Stadträte Lothar Klein
und Stefan Zinkler |
 Bemerkenswert ist in diesem Artikel die
Bezeichnung „Judentempel“. Erinnert er doch daran, dass die
großen Vorbilder der National-Sozialisten, die Römer, im
Jahre 70 n.Chr. den jüdischen Tempel in Jerusalem erst in
Brand steckten, seine Schätze plünderten, ihn dann
niederrissen und seine jüdischen Bewohner in alle Welt
verschleppten.
Was die Nazi-Zeitung am 10. November 1938 völlig
verschwieg, ist die Tatsache, dass die angerückten rund 50
Dresdner Feuerwehrmänner den Brand in der Semper-Synagoge
an der Brühlschen Terrasse nicht löschen durften. Am
nächsten Tag mussten sie mit Drehleitern die Davidsterne
der Nebentürme entfernen. Einer von ihnen, Alfred
Neugebauer, konnte beobachten, wo die 1,6 Meter großen
Sterne als „Beute“ versteckt wurden, einer im
Polizeipräsidium, der andere auf dem Dachboden der
Feuerwache in der Annenstraße. Im Frühjahr 1939 holte
Neugebauer den einen Stern in der Dämmerung nach
Dienstschluss aus seinem Versteck, wickelte ihn in eine
Decke und brachte ihn mit dem Fahrrad nach Hause. Auf dem
Boden seines Wohnhauses in der Prießnitzstraße blieb er bis
1945 hinter einer Tischplatte verborgen. 1949, längst schon
mit dem Aufbau und der Organisation der Dresdner Feuerwehr
beschäftigt, übergab er den geretteten Stern der Jüdischen
Gemeinde zu Dresden. 1950 konnte dieser auf der kleinen
Synagoge in der Fiedlerstraße angebracht werden. Dort ist
heute eine Kopie zu sehen.
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Der originale Davidstern der 1838-1840 von Gottfried
Semper erbauten Synagoge befindet sich seit dem Bau der
Neuen Dresdner Synagoge frisch vergoldet über deren
Eingang. Über der Tür steht außerdem in hebräischen Lettern
die Inschrift der Semper-Synagoge:
„Mein Haus soll ein Bethaus sein für alle Völker.“
Die Einweihung am 9. November 2001 konnte Alfred Neugebauer
noch miterleben. Im Jahre 2000 bekam er für seinen Einsatz
den Verdienstorden des Freistaates Sachsen verliehen. Er
starb am 13. August 2006 im gesegneten Alter von 92 Jahren.
Die Freiwillige Feuerwehr in Dresden-Klotzsche trägt heute
seinen Namen und hält so die Erinnerung an die damit
verbundene Geschichte wach.
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Der Sächsische Landtag, die Staatsregierung, die
Landeshauptstadt und die Jüdische Gemeinde zu Dresden
gedenken in jedem Jahr gemeinsam mit Vertretern von
Kirchen, Institutionen, Organisationen und vielen
Bürgerinnen und Bürgern am 9. November dieses dunklen
Tages. Auch in diesem Jahr folgten sie der Einladung von
Oberbürgermeisterin Helma Orosz an die Stele, die seit dem
8. November 1973 an die Zerstörung in der Reichspogromnacht
vor 71 Jahren und an den Holocaust erinnert. Sie hat die
Form einer Menora, jedoch mit sechs statt sieben Armen, die
für die sechs Millionen ermordeten Juden stehen.
Überschattet wurde das diesjährige Gedenken von
antisemitischen Schmierereien in englischer Sprache an der
Synagoge am Wochenende vorher.
Sachsens neuer Innenminister Markus Ulbig und
Landespolizeipräsident Bernd Merbitz versicherten bei einem
Besuch in der Jüdischen Gemeinde, dass nach den Tätern
intensiv gefahndet und die Sicherheit der Synagoge
überprüft werde.
Oberbürgermeisterin Orosz verurteilte in ihrer Gedenkrede
die Tat scharf und rief dazu auf, dem Anstieg
rechtsextremistischer und fremdenfeindlicher Straftaten
nicht tatenlos zuzusehen. Prof. Dr. Eva Rietze vom Vorstand
der Jüdischen Gemeinde sagte, dass die Gemeinde eine
Anfeindung in dieser Schärfe noch nicht erlebt habe.
Auf die von Landesrabbiner Dr. Salomon Almekias Siegl
gesungenen hebräischen Gebete und die musikalische
Begleitung durch den Dresdner Synagogenchor folgte die
Kranzniederlegung unterhalb der Stele. Neben
Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler, Repräsentanten
mehrerer Landtagsfraktionen, Justiz- und Europaminister
Jürgen Martens für die Sächsische Staatsregierung sowie
Oberbürgermeisterin Helma Orosz nahmen auch Vertreter von
Stadtratsfraktionen daran teil, unter ihnen mehrere
Mitglieder der CDU-Fraktion mit ihrer Vorsitzenden Christa
Müller und CDU-Kreisgeschäftsführer Dietmar Haßler.
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