8. Oktober – Dresden feierte die Friedliche Revolution
von 1989
Der 8. Oktober ist für Dresden ein besonderes Datum. An
diesem Tag hatte sich 1989 nach einer Demonstration auf der
Prager Straße die „Gruppe der 20“ gebildet. Deren
friedlicher Dialog mit dem damaligen Oberbürgermeister
Wolfgang Berghofer war der Grundstein zur Demokratisierung
des Gesellschaftssystems.

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Verfasser
Stadtrat Sebastian
Kieslich |
 Der Stadtrat unter maßgeblicher Beteiligung
der CDU-Fraktion hat den 8. Oktober deswegen zum Gedenktag
in Dresden erklärt. Und in diesem Jahr feierte Dresden
diesen denkwürdigen Tag zum ersten Mal.
So erinnerten tausende Dresdner mit Lesungen, Konzerten,
Theater- und Filmvorführungen an die friedliche Revolution,
die das Ende der SED-Diktatur einläutete. Zur zentralen
Festveranstaltung war neben Ministerpräsident Stanislaw
Tillich als besonderer Gast US-Botschafter a.D. Barkley
eingeladen. Er war der letzte Chefdiplomat der USA in der
DDR und hat 1990 die 2+4 Gespräche unter der
Busch-Senior-Administration maßgeblich mit gestaltet. Aber
nicht nur die Gäste wiesen darauf hin, dass der 8. Oktober
1989 ein rein lokales Ereignis war. Nach dem ökumenischen
Gottesdienst in der Kreuzkirche hob Ministerpräsident
Stanislaw Tillich in einem Grußwort die Bedeutung des
friedlichen Aufstands der Dresdner Bürger gegen die
SED-Diktatur hervor.
„Unsere Gedenkstunde reiht sich ein in eine große Zahl von
Veranstaltungen in Sachsen, in Ostdeutschland, in unseren
osteuropäischen Nachbarländern. Letzte Woche war ich in
Prag. Dort hatten sich vor zwanzig Jahren 6.000 Menschen in
die Botschaft der Bundesrepublik geflüchtet – und konnten
ihre Ausreise erzwingen. Eine erste Bresche war in die
Mauer geschlagen. Gestern war ich in Plauen. Dort fand vor
20 Jahren die erste Massendemonstration in der DDR statt,
an deren Ende die Staatsmacht den Rückzug antreten musste.
Heute nun Dresden. Auch hier war 1989 die Angst groß, das
SED-Regime könnte seine Macht mit Gewalt verteidigen. Der
Aufmarsch von Polizei und Militär, Hunderte von
Verhaftungen ließen Schlimmes befürchten.
Wer Filmaufnahmen von damals sieht, wer mit Zeitzeugen
spricht, der spürt, welch ungewisse Stimmung damals über
der Stadt hing. Und wie groß die Hoffnung auf Freiheit war.
Am Ende siegte die Hoffnung. Es blieb auch in Dresden
friedlich. Das war ein mächtiges Signal für die
Montagsdemonstration in Leipzig am nächsten Tag und der
Durchbruch für eine Massenbewegung in Sachsen und anderswo
in Ostdeutschland.“
Die Verdienste der Dresdner Bürgerrechtler stellte
Oberbürgermeisterin Helma Orosz in ihrer Festansprache
heraus:
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„Die Mitglieder der „Gruppe der 20“, die am 8. Oktober
den sogenannten „Dresdner Weg“ beschritten, sind –
stellvertretend für die vielen tausend Menschen auf den
Demonstrationen auf der Prager Straße – zum Symbol für das
vitale demokratische Bewusstsein in der Landeshauptstadt
geworden.
… traditionell haben Demokratien sowohl die Funktion als
auch die Mission, pluralistische Gemeinschaftsideale zu
verbreiten. Damit in erster Instanz auch bürgerliche
Freiheits- und Menschenrechte. In den politischen
Richtlinien der SED Staats- und Parteiführung hatten Werte
wie kritischer Bürgersinn, individuelle Freiheit und
oppositioneller Gestaltungswillen keinen Platz. Da war es
leichter, ökonomische Mythen wie „die DDR als international
wettbewerbsfähigen Wirtschaftsriesen“ oder die „Erziehung
des sozialistischen Menschen“ als Anhaltspunkte einer
Identität zu bemühen.
Eine verantwortungsvolle Politik sollte einzig dem Bürger
als Souverän verpflichtet sein. Die Ausrichtung des
politischen Handelns an den realen Bedürfnissen der
Menschen steht dabei im Mittelpunkt. Daneben lautet eine
weitere entscheidende Frage an die Politik damals wie
heute: Wie man ein modernes deutsches Gemeinwesen, das sich
verantwortungsbewusst, weltoffen und tolerant in der
Völkerfamilie als verlässlicher Partner empfiehlt,
angemessen repräsentieren kann?
… mit der überparteilichen Beantwortung dieser Frage tut
sich die Politik manchmal nicht leicht. Wir hier in Dresden
haben glücklicherweise den Vorteil, einen Blick auf die
fundamentalen Forderungen der „Gruppe der 20“ zu werfen.
Diese Forderungen – etwa ein „gewaltloser Dialog“, die
„freie Meinungsäußerung“, „Demonstrationsfreiheit“, der
„Schutz der Unversehrtheit der Person“ und die
grundsätzliche Achtung der menschlichen Würde – sind und
bleiben auch 20 Jahre nach dem friedlichen Umbruch aktuell.
Und dies gilt für Dresden, aber ebenso sehr auch anderswo.
Anhand der Umsetzung dieses Forderungskataloges zeigen sich
nämlich innere Kraft und wahrhaftige äußere Stärke eines
Gemeinwesens. Denn diese Ansprüche aus der Erklärung der
„Gruppe der 20“ beziehen sich auf die allgemeine
Deklaration der Menschenrechte.
Deren Verabschiedung vor 60 Jahren wurde im letzten Herbst
weltweit gefeiert.
Übertragen ins Hier und Jetzt könnte man sagen, dass die
Hinwendung zum Grundgesetz und der klare Bezug zur
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte darin, die Inhalte
zeitgemäßer Identitätsfindung der Deutschen in einem
gemeinsamen europäischen Haus darstellen. Und auch daran
wollen wir heute mit Freude gedenken.“
Die Stadt Dresden wird nun jährlich am 8. Oktober an die
Friedliche Revolution von 1989 erinnern. Wir können diesen
Tag voller Stolz feiern und uns freuen, in Frieden,
Freiheit und Demokratie zu leben. Vor allem jungen Leuten
sollte dann immer bewusst gemacht werden: Die Dresdner
Bürger haben ihre bürgerlichen Freiheitsrechte selbst
erkämpft.
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