Hangzhou:
Seid umschlungen, Millionen
Hangzhou – über eine erste Reise in die große, schöne,
beeindruckende Millionenstadt südwestlich von Shanghai im
Jahr 2007 hab‘ ich an dieser Stelle schon berichtet. Und
wieder war die Stadt das Ziel einer kleinen Dresdner
Delegation, diesmal mit Helma Orosz an der Spitze. Hinflug
wieder mit dem Jumbo „Dresden“, und wieder waren es schöne,
erlebnisreiche Tage. Aber: hier soll keine Chronik folgen,
die Presse hat ja schon berichtet. Und wer‘s noch genauer
wissen will, dem sei der Terminkalender Helma Orosz im
Internet empfohlen (http://www.dresden.de/de/02/010/02_Termin-kalender/086_Terminkalender.php).

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Verfasser
Stadtrat Dr. G.
Böhme-Korn, finanzpolitischer Sprecher |
 Hauptzweck der Reise: Zwei Abkommen wurden
unterzeichnet. Ein Kulturabkommen zwischen all den vielen
Partnerstädten von Hangzhou, Eckpunkte (stark gekürzt):
- Bewahrung und Erneuerung des kulturellen Geistes unserer
Städte.
- Bewahrung unseres Kulturerbes,
- Förderung kultureller Bestrebungen,
- Förderung der Entwicklung der Kultur- und
Kreativwirtschaft,
- Verstärkung des kulturellen Austauschs und der
Zusammenarbeit,
- Unterstützung des Austauschs und der Interaktion von
Kulturtalenten.
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Dann, natürlich, der Partnerschaftsvertrag zwischen
Hangzhou und Dresden. Kern der Sache, wie dort formuliert:
Die Städte möchten die gegenseitige Verständigung sowie die
Freundschaft zwischen dem Chinesischen und dem Deutschen
Volk fördern und die freundschaftliche Zusammenarbeit
zwischen beiden Städten festigen und entwickeln. Beide
Seiten werden, unter Beachtung der Grundsätze von
Gleichberechtigung und gegenseitigem Nutzen, den Austausch
und die Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten in
vielfältiger Art und Weise unter anderem in den Bereichen
Wirtschaft, Handel, Wissenschaft und Technologie, Kultur,
Bildung, Sport, Gesundheit und Fachkräfte voranbringen, um
gemeinsam eine gedeihliche Entwicklung zu fördern.
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So weit, so gut. Nun aber sind die „Einblicke“ keine
Dresdner Neueste Nachrichten, sondern eine Plattform für
politische Meinungsbildung. Deshalb zumindest noch vier
subjektive, wertende Gedanken:
- Beeindruckt hat mich die Weltoffenheit und
zukunftsweisende Modernität des Denkens in der Verwaltung
von Hangzhou unter ihrem Oberbürgermeister Cai Qi. Keine
Spur von gestriger Ideologie oder blindem Wachstumsglauben.
„Lebenswerte Städte“ hieß das Symposium, auf dem Helma
Orosz gleich am Anfang eine Rede halten konnte. Geschichte
und Kultur, so Cai Qi, seien die Seele jeder Stadt. Die
Menschen sollten glücklich sein in seiner Stadt – und sind,
nach einer landesweiten Umfrage, auch die zufriedensten
Bürger aller chinesischen Städte. Ökologie,
Gesundheitswesen und soziale Sicherung – all das sei
wichtig und werde energisch angepackt. Erfahrungsaustausch
sei dabei ein wesentliches Element.
- Hangzhou ist keine Allerwelts-Stadt. Ein unverkennbar aus
anderer Kultur erwachsendes Herangehen macht die
Partnerschaft erst interessant. Weniger Verträge, Tabellen,
Schemata prägen dort die Wirtschaft und den Umgang
miteinander, nein, menschliche Beziehung und Vernetzung
sind dort wesentlich, Bezugspersonen spielen stärker eine
Rolle. So bat Cai Qi unsere OB ausdrücklich, mich ihm
vorzustellen – er hatte mich wohl noch in Erinnerung vom
Vorbesuch. Und zwischen Helma Orosz und Cai Qi, zwischen
unseren Delegationen stimmte die Chemie, ja ausgesprochene
Herzlichkeit war da zu spüren – bei soviel anderen, viel
größeren Partnerstädten von Hangzhou keine
Selbstverständlichkeit. Andrerseits: kleinere Schwächen bei
der Konferenz, so beim Ablauf, aber auch bei den
Bedingungen für die Übersetzer, aber auch der ständige
leichte Dunst über der Stadt deuteten an, dass unsere
Technologie und Kultur der Gründlichkeit dort Nutzen
bringen können.
- Die Stadt zeigt eindrucksvoll: Eine starke, wohl
ausgestattete öffentliche Hand kann die Entwicklung eines
Gemeinwesens unheimlich fördern und beschleunigen.
Wohlhabende Bürger, aber leere öffentliche Kassen wie in
der westlichen Welt verbreitet, das ist nicht unbedingt der
Stein der Weisen für die Zukunft. „Wohltaten“ für Familien
und Besserverdienende, die deren Kinder aber mit Zins und
Zinseszins rückzahlen müssen, Ausrufung des Finanznotstands
und Beinahe-Pleite des Staats in einem Land der Millionäre
wie in Kalifornien gibt es da nicht. Wir sollten uns das
ohne ideologische Scheuklappen genau ansehen. Sachsen und
besonders Dresden sind da ja auf einem guten Weg.
- Und schließlich, ganz intern: es war gut, dass wir uns in
der Fraktion bei der Diskussion so viel – Monate – Zeit
gelassen haben, bis schließlich alle einer Partnerschaft
mit Werteorientierung zustimmen konnten. Auch darüber habe
ich in den „Einblicken“ schon berichtet. Wir alle, die
ganze CDU-Fraktion kann sich damit freuen über die neue
Partnerschaft mit einer so interessanten, starken, schönen
Stadt, und sie nach Kräften fördern. Für die Zukunft dieser
Beziehung ist das lebenswichtig.
Und wieder das Zitat zum Schluss: „Wer sich selbst und
andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident
sind nicht mehr zu trennen. Sinnig zwischen beiden Welten
sich zu wiegen lass ich gelten: also zwischen Ost und
Westen sich bewegen sei zum Besten“. Goethe, west-östlicher
Diwan, fast 200 Jahre alt. Doch passt das nicht wunderbar
auf unsere Partnerschaft?
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