Der neue Stadtrat hat seine Arbeit aufgenommen
Feierstunde „20 Jahre Friedliche Revolution“
An einem historischen Datum, am 13. August 2009,
startete der neue Stadtrat in die Amtsperiode 2009 – 2014.
Vor Beginn der ersten Sitzung hielten ein evangelischer und
ein katholischer Geistlicher in der Kreuzkirche eine
ökumenische Andacht ab. Diese knappe Stunde der Besinnung
vor dem ersten Stadtrat hat nun schon Tradition und wurde
auch von den Mitgliedern aller Fraktionen genutzt.

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Verfasser
Stadtrat Dr. Helfried
Reuther, Pressesprecher |
 Danach fand unter dem Motto „20 Jahre
Friedliche Revolution“ eine Feierstunde statt. Festredner
war der Präsident des Sächsischen Landtages, Erich Iltgen,
der zum Thema „Dresden als Zentrum der Friedlichen
Revolution“ sprach. In seiner Rede verwies Iltgen nicht nur
auf die Geschehnisse des Jahres 1989, sondern auch darauf,
dass Dresden alles andere als das oft zitierte „Tal der
Ahnungslosen“ gewesen ist:
„Sachsen ist das Land der Friedlichen Revolution. Von
Sachsen ist sie ausgegangen. Leipzig, Dresden und Plauen
stehen symbolhaft und beispielgebend für ganz Sachsen, wo
die Forderungen der Demonstranten nach Freiheit und
Demokratie zuerst auf die Straßen und Plätze hinausgetragen
worden sind. … Wir können heute mit Stolz auf eine ganze
Reihe von Kirchen, öffentlichen Gebäuden, Straßenzügen und
Plätzen verweisen, die im Stadtbild untrennbar mit dem
Aufbruch zur Demokratie vor 20 Jahren verbunden sind.“
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| Erich Iltgen, Präsident
des Sächsischen Landtages |
Iltgen machte deutlich, welche wichtige Rolle vor allem
die Kirchen, aber auch die Friedens- und die Umweltbewegung
und das Staatsschauspiel in der damals aufkeimenden
revolutionären Bewegung gespielt hatten:
„In den Jahren 1988/89 war es dann die Ökumenische
Versammlung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der
Schöpfung, in deren Arbeitspapieren grundlegende
Reformforderungen zum Ausdruck gebracht worden sind, die am
30. April 1989 in der Kreuzkirche beschlossen wurden. … Die
Ökumenische Versammlung wurde zu Recht als die erste große
innerkirchliche Volksaussprache bezeichnet, die sich mit
Zukunftsfragen beschäftigte, die zweifelsfrei an den Staat
gerichtet waren. In der im Jahre 1992 beschlossenen 4.
Sächsischen Verfassung wird auf dieses Ereignis in der
Präambel direkt Bezug genommen. Viele Anregungen sind in
der Verfassung aufgenommen worden.
Und sie hat auch aus meiner Sicht ganz wesentlich dazu
beigetragen, dass die Demokratiebewegung in Dresden ihre
Struktur, ihre geistige Macht und ihre Aktionsbreite
gewinnen konnte, mit der sie seit der Kommunalwahl am 7.
Mai 1989 immer stärker zum Tragen gekommen ist. Sie war der
Beginn des Mutes, sich in Verantwortung für die Menschen in
der DDR öffentlich zu Wort zu melden.“
Iltgen schloss seine Rede mit der Aufforderung, sich diese
Ereignisse im Gedächtnis zu behalten:
„Die Friedliche Revolution hat uns die Demokratie gebracht,
die es auszugestalten und weiterzuentwickeln gilt und die
als ein wertvolles Gut heute und in Zukunft bewahrt und
geschützt werden muss.
Dieser Gestaltungswille, mit dem auch Sie in Wahrnehmung
der Interessen der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt Ihr
Mandat angenommen haben, wird sich aber nur dann in den
Widerständen der Wirklichkeit bewähren können, wenn wir es
nicht versäumen, die fruchtbaren Impulse unserer
Vergangenheit weiterzutragen. Es darf niemals in
Vergessenheit geraten, dass die Bürgerinnen und Bürger
dieser Stadt mit ihrem Mut und ihrer Beharrlichkeit, ihrer
Kraft und ihrem Freiheitswillen die Voraussetzungen dafür
geschaffen haben, dass wir heute in Recht und in Freiheit
leben können.
Dieser Gedanke sollte auch Sie persönlich begleiten und
Ihnen Ermutigung sein, wenn Sie in diesen Räumen in Zukunft
Entscheidungen zum Wohle dieser Stadt, ihrer Bürgerinnen
und Bürger und zum weiteren Gedeihen unseres Landes treffen
werden.“
Nach seiner Rede verlieh Iltgen anlässlich des 20.
Jahrestages der friedlichen Revolution geprägte Medaillen
stellvertretend für die „Gruppe der 20“ und den Stadtrat an
Altoberbürgermeister Dr. Wagner sowie Oberbürgermeisterin
Orosz.
Nach einem kleinen Empfang, zu dem u.a. alle bisherigen
Stadtverordneten bzw. Stadträte sowie die ehemaligen
Bürgermeister eingeladen worden waren und von denen auch
viele der Einladung gefolgt waren, trat der Stadtrat zur
konstituierenden Sitzung zusammen. Nach ihrer
Eröffnungsrede verpflichtete Oberbürgermeisterin Helma
Orosz alle 70 Stadträte per Unterschrift, Verfassung und
Recht zu achten und zu verteidigen und Gerechtigkeit
gegenüber allen zu üben, sowie insbesondere die Rechte der
Gemeinde gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das ihrer
Einwohner nach Kräften zu fördern.
Anschließend ging es in einen Abstimmungs-Marathon: die
Ausschuss- und Beiratsbesetzungen waren zu bestimmen.
Normalerweise hätte dies unkompliziert und schnell im
Einigungsverfahren, d.h. in offener Abstimmung erfolgen
können, da die Zahl der den Fraktionen zustehenden
Ausschusssitze klar war. Bereits aber an dieser Stelle
machten die beiden fraktionslosen Stadträte der Rechten
klar, worin sie ihre Aufgabe offensichtlich sehen, nämlich
stören und bremsen, wo es nur geht: Sie stimmten gegen das
Einigungsverfahren. So mussten alle Wahlen geheim per
Stimmzettel erfolgen, was natürlich viel Zeit in Anspruch
nahm. Aber auch Rot-Grün zeigte, dass die vor der
Kommunalwahl getätigten Sprüche über neue Qualitäten der
Zusammenarbeit zwischen den Fraktionen nach der Wahl leider
nichts wert sind: Im Jugendhilfeausschuss fiel der
Vertreter der Bürgerfraktion durch, dagegen wurde mit Hilfe
von Leihstimmen ein zweiter Vertreter der Linken gewählt.
Ein ähnliches Vorgehen von SPD und Grünen vor fünf Jahren
hatte das Verwaltungsgericht als rechtswidrig erklärt. Die
CDU-Fraktion hat sich schon damals an solchen „Spielchen“
nicht beteiligt, da diese demokratischen Gepflogenheiten
widersprechen. Die Bürgerfraktion hat unterdessen gegen die
Wahl Widerspruch eingelegt.
Wir gehen mit Optimismus, Mut und Elan an die anstehenden
Aufgaben heran und bieten jedem, dem es um das Wohl und die
Entwicklung unserer schönen Stadt Dresden geht, eine
partnerschaftliche Zusammenarbeit an. Probleme haben wir
nur mit Stadtratskollegen, die mit imaginärer schwarzer
Brille durchs Leben gehen, dadurch nur schwarz sehen können
und glauben, ständig und überall schwarzen Filz zu
entdecken.
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| Stadträtin Dr. Böhm bei
ihrer Verpflichtung |
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