Der Hochbau der Waldschlößchenbrücke hat begonnen!
Neuer Welterbetitel für Dresden?
Am 10. Juli 2009 kamen die ersten Stahlteile für die
Waldschlößchenbrücke; die weiteren folgen sukzessive. Vor
Ort werden die angelieferten Teile zusammengeschweißt. Der
Hochbau der Waldschlößchenbrücke hat begonnen. Das sind die
nüchternen Fakten. Die Brückengegner haben es nicht
geschafft, dies zu verhindern. Hierzu war und ist (?) ihnen
jedes Mittel recht:
1. Die Brücke mit juristischen Mitteln zu verhindern, ist
bis jetzt nicht gelungen. Allerdings muss das
Oberverwaltungsgericht noch über die Berufung gegen das
Urteil des Verwaltungsgerichts Dresden, das die Klage der
Brückengegnergegen die Waldschlößchenbrücke abgewiesen
hatte, entscheiden.
2. Die Brücke mittels eines neuen Bürgerentscheids für
einen Tunnel zu verhindern, ist gescheitert; die
Brückengegner – und das ist bezeichnend – haben es nicht
vermocht, die zur Entscheidung gestellte Frage mit einer
Begründung zu versehen, die einer auch nur oberflächlichen
tatsächlichen und rechtlichen Prüfung standhält.
3. Die Brücke mittels Entzug des Welterbetitels zu
verhindern, ist ebenfalls gescheitert. Hierbei gilt es zu
betonen: Die Brückengegner haben den Titelentzug immer nur
als Mittel zum Zweck der Ver-hinderung der
Waldschlößchenbrücke angesehen. Hätte bei ihnen der
Titelerhalt im Vordergrund gestanden, wären auch sie
gegenüber der UNESCO ganz anders aufgetreten.

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Verfasser
Stadtrat Dr. Hans-Joachim
Brauns, Sprecher für Stadtentwicklung und Bau |
 Unabhängig vom Titelentzug haben die
UNESCO-Komiteemitglieder allerdings dem Vernehmen nach auf
der Sitzung in Sevilla zu erkennen gegeben, dass sie einer
erneuten Bewerbung Dresdens als Welterbestätte
aufgeschlossen gegenüber stünden. Dieses Aufgeschlossensein
bezieht sich, wie unsere Oberbürgermeisterin ausdrücklich
betonte, nicht auf das Dresdner Elbtal ohne
Waldschlößchenbrücke; auch andere Dresdner Stätten seien
willkommen. Genannt werden in diesem Zusammenhang – zu
Recht(!) – die Frauenkirche, die Gartenstadt Hellerau, die
Dresdner Innenstadt zwischen Wilsdruffer Straße und Elbe in
der Nord-Süd-Ausdehnung und St. Petersburger Straße und
Ostraallee in der Ost-West-Ausdehnung.
Das passt den Brückengegnern gar nicht, weil damit das von
ihnen protegierte Junktim zwischen Welterbetitel und
Dresdner Elbtal ohne Waldschlößchenbrücke aufgehoben wäre;
Dresden wäre Welterbe mit Waldschlößchenbrücke. Deswegen,
also nur um es den Brückengegnern zu zeigen, eine erneute
Bewerbung für den Titel Welterbe zu verfolgen, hieße nur,
sich auf das Niveau der Brückengegner zu begeben, die den
Welterbetitel lediglich als Mittel zum Zweck für ihre
politischen Vorstellungen benutzt haben. Dieser Versuchung
heißt es zu widerstehen, auch wenn das in einer seltsamen
Koalition enden kann: Die Brückengegner wollen kein anderes
Welterbe außer dem Dresdner Elbtal ohne
Waldschlößchenbrücke, denn alles andere würde ihre
bisherige Argumentation zunichte machen; die
Brückenbefürworter wollen keinen Welterbetitel der UNESCO,
weil die Erfahrungen mit dieser Organisation keine guten
sind.
In der Tat, die Erfahrungen mit der UNESCO sind keine
guten. Deshalb müssen vor einer erneuten Bewerbung viele
Fragen, insbesondere folgende, belastbar beantwortet
werden:
1. Welchen verbindlichen Inhalt hat eine
Aufnahmeentscheidung der UNESCO insbesondere im Hinblick
auf – der UNESCO bekannte – Planungen, deren Verwirklichung
den tatsächlichen Status quo ändert?
2. Wie kann sich unsere Stadt gegen nicht eingehaltene
Zusagen wehren; mit anderen Worten: Wer entscheidet, ob
das, was die UNESCO macht, rechtmäßig ist oder nicht?
3. Wie kann sichergestellt werden, dass die Bundesregierung
unsere Stadt unterstützt, wenn die UNESCO rechtswidrige
Ansinnen verfolgt? (Die „selbstverständliche“
Unterstützung, die – wie zu lesen war – das Auswärtige Amt
einer erneuten Bewerbung zuteil werden lassen will, hätten
wir gerne vor der Aberkennung des Titels gehabt; dann wäre
es dazu gar nicht erst gekommen.)
4. Wenigstens: Welche bei der UNESCO zu schaffenden
organisatorischen Voraussetzungen können einigermaßen
verlässliche Gewähr bieten, dass ein faires Verfahren bei
Streit zwischen der Welterbestätte und der UNESCO
durchgeführt wird?
Eine befriedigende Antwort auf diese Fragen wird Zeit
brauchen, denn in welchem Zustand sich die UNESCO derzeit
befindet, hat sich in Sevilla gezeigt. Die Tagesordnung war
schon nach kurzer Zeit Makulatur, was ein sicheres Zeichen
dafür ist, dass das Welterbezentrum in Paris mit der
Welterbeverwaltung völlig überfordert ist. Dem Vernehmen
nach ist das dem Welterbekomitee auch nicht entgangen.
Insoweit besteht Hoffnung.
Eins wird mit der CDU-Fraktion nicht geschehen: Dass Herr
Blobel über seinen Freund Herrn Bandarin, dem Direktor des
Welterbezentrums in Paris, mit einem neuen Welterbetitel
heimlicher Oberbürgermeister in Dresden wird.
Herr Blobel will im Übrigen am Neumarkt investieren. Das
begrüßen wir ausdrücklich! Das lässt aber auch den Schluss
zu, dass er selbst nicht an die Untergangsszenarien glaubt,
die manche Brückengegner mit dem Verlust des Welterbetitels
verbinden. Niemand hat die Auswirkungen des
Welterbetitelverlustes treffender beschrieben als der
Kommentator der „Neuen Züricher Zeitung“ vom 25.06.2009:
„Dresden wird diesen Rückschlag spielend verkraften. Es hat
die Unesco schlicht nicht nötig. Zu schön ist die Stadt, zu
sehr zieht sie wahre Kulturbeflissene in ihren Bann, als
dass sie sich mit solchen Titeln schmücken müsste.“
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